Kommunismus´

Geschichte ohne Klassenbewußtsein? Lukács’ kurzes 20. Jahrhundert. Ein Vortrag von Detlev Claussen


„Die Bedeutung von Georg Lukács’ 1923 erstmals veröffentlichtem Essayband »Geschichte und Klassenbewusstsein« ist immens. »Die Wirkung dieses Buches kann man fast als unheimlich bezeichnen.« Es gibt keinen Denker aus dem Kreis des »westlichen Marxismus«, der davon unbeinflusst blieb. Das Werk gehört zu den wichtigsten seiner Zeit.

Obwohl Lukács seine Thesen später aus Parteigehorsam widerrief, stellt »Geschichte und Klassenbewusstsein« zusammen mit Karl Korschs‘ im gleichen Jahr publizierten Werk »Marxismus und Philosophie« den Wendepunkt in der marxistischen Theorie nach dem Ersten Weltkrieg dar. Der offizielle Partei-Marxismus war theoretisch bestimmt durch quasi-naturwissenschaftliche Annahmen, die eine evolutionäre Entwicklung hin zum Sozialismus antizipierten. Die Geschichte würde ganz von selbst in die befreite Gesellschaft einmünden. Mit der Katastrophe des Ersten Weltkriegs und dem Ausbleiben einer von Linken erwarteten bolschewistischen Revolution in Westeuropa war dieser Geschichtsdeterminismus praktisch widerlegt. Diese Krise des Kommunismus verlangte auch der marxistischen Theorie eine notwendige undogmatische Neuausrichtung ab, die von Lukács angeschoben wurde.

Es wundert deshalb kaum, dass Lukács‘ Arbeiten auch im Zuge der antiautoritären Revolte von 1968 eine Relektüre erfuhr. Noch heute – weitere vierzig Jahre später und neunzig Jahre nach der Erstveröffentlichung – ist die Anziehungskraft Lukács’ ungebrochen. Dies belegen aktuelle Neuerscheinungen. (…)

Detlev Claussen, emeritierter Professor für Gesellschaftstheorie der Universität Hannover, Herausgeber von Lukács’ Aufsätzen zu Lenin, Oktoberrevolution und Perestroika, spricht kenntnisreich und anekdotisch über eine Geschichte ohne [!] Klassenbewußtsein. „

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