Kommunismus´

Der Austromarxismus in seiner Epoche – Ein Vortrag von Prof. Krätke


„Die Gruppe der „Wiener Jungmarxisten“, allesamt Studenten an der Wiener Universität, die sich vor 1900 zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenfanden, wurde später von Freund und Feind als die „Austromarxisten“ bezeichnet.

Sie sind bis heute die mit Abstand wichtigste und bemerkenswerteste Schule des Marxismus in deutscher Sprache. Als einzige haben sie das weitreichende und weit verzweigte Forschungsprogramm von Marx und Engels ernst genommen, als einzige haben sie es als Sozialwissenschaft, nicht als Philosophie oder Weltanschauung begriffen und betrieben, fast als einzige haben sie sich auf die vielen ungelösten Probleme des Marx-Engelsschen Werks eingelassen und Pionierarbeiten hervorgebracht, die bis heute unübertroffen sind.

Otto Bauers „Nationalitätenfrage“, Karl Renners „Rechtsinstitute des Privatrechts“, Rudolf Hilferdings „Finanzkapital“ und Max Adlers „Rätsel der Gesellschaft“ gehören, neben vielen anderen Arbeiten der genannten Autoren, zum Besten, was die marxistische Tradition zu bieten hat. Diese Klassiker teilen jedoch mit vielen anderen das Schicksal, vergessen, ungelesen und unbekannt zu sein.

Das mag daran liegen, dass sie allesamt in der internationalen wie in der österreichischen Politik vor und nach dem Ersten Weltkrieg (zum Teil auch nach dem Zweiten Weltkrieg) eine bedeutende Rolle gespielt haben. Sie standen jedoch für eine mittlere Position, „zwischen Bolschewismus und Reformismus“, wurden (und werden) daher von den Orthodoxen und Konservativen aller Lager wütend bekämpft.

Wir wollen mit dieser Veranstaltung an den ausserordentlichen intellektuellen Reichtum der austromarxistischen Schule erinnern und eine Einführung in das Werk zweier ihrer Hauptvertreter, Otto Bauer und Karl Renner, geben.

Referenten: Prof. Michael R. Krätke (Ökonom und Politikwissenschaftler, u.a. Herausgeber der unveröffentlichten Schriften Otto Bauers über die Weltwirtschaftskrise von 1929 – 1934) und Prof. Richard Saage (Politikwissenschaftler und Autor von „Der erste Präsident. Karl Renner – eine politische Biographie“, Paul Zsolnay Verlag, Wien 2016)
Moderation: Dr. Alexander Amberger“ (Text, Quelle & MP3: https://soundcloud.com/rosaluxstiftung/der-austromarxismus-in-seiner-epoche?in=rosaluxstiftung/sets/helle-panke | CC BY 3.0 | Veranstalter: https://www.helle-panke.de/topic/3.html?id=2050&context=0)

P.S. Karl Renner gilt, wie es Marko Feingold ausdrückte, als „begeisterter Befürworter des „Anschlusses“ an Hitler-Deutschland“ [1]: http://www.zeit.de/2016/09/karl-renner-biografie-richard-saage

Im Februar 1946 nahm Bundespräsident Renner in einer Ansprache vor dem Palästina-Komitee zur Zukunft von Österreichs Juden unter anderem so Stellung:

„… die jüdische Gemeinde kann sich nie erholen. (…) glaube ich nicht, dass Österreich in seiner jetzigen Stimmung Juden noch einmal erlauben würde, diese Familienmonopole aufzubauen. Sicherlich würden wir nicht zulassen, dass eine neue jüdische Gemeinde aus Osteuropa hierher käme und sich hier etablierte, während unsere eigenen Leute Arbeit brauchen.“ [2]

Maximilian Gottschlich schrieb 2012 dazu: „Das antisemitische Übel saß aber nicht nur in den nachgeordneten Ämtern, sondern auch ganz oben in der Staatskanzlei. Die Österreicher würden Juden nicht noch einmal erlauben, sich in Österreich zu etablieren – das konnte damals der höchste Repräsentant des neu gegründeten Staates sagen und sich zugleich der mehrheitlichen Zustimmung der Bevölkerung und der politischen Klasse sicher sein.“ [2]

Darüberhinaus lehnte Renner Reparationszahlungen an die Opfer des Nationalsozialismus ab: „Für den Judenschaden soll grundsätzlich die Volksgesamtheit nicht haftbar gemacht werden.“ [3]

[1] Ursula Kastler: Ein widerständiges Leben. Marko Feingold wird am 28. Mai 100 Jahre alt. In: Tageszeitung Salzburger Nachrichten, 25. Mai 2013, Wochenendbeilage, S. VII, Interview.
[2] Maximilian Gottschlich: Die große Abneigung. Wie antisemitisch ist Österreich? Kritische Befunde zu einer sozialen Krankheit. Czernin Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-7076-0410-8, S. 64, 65 und 50
[3] Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“, Forschungsprojektendbericht, Wien, Juli 2013, S.179 https://www.wien.gv.at/kultur/abteilung/pdf/strassennamenbericht.pdf

 


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