Feminismus´

Zum Abstraktionstabu im Feminismus – Ein Vortrag von Roswitha Scholz (2010)


„Nach den kulturalistischen 1990er Jahren wird auch im Feminismus wieder verstärkt die Parole „Frauen denkt ökonomisch!“ (Nancy Fraser) ausgegeben; es ist von einem „social re-turn“(Knapp/Klinger) die Rede, Debatten um Intersektionalität, um den Zusammenhang von „Rasse“, Geschlecht und Klasse haben Hochkonjunktur, in queerfeministischen Szenen wird wieder verstärkt auf das Verhältnis von Produktion und Reproduktion rekurriert und die Sinnhaftigkeit von Genderforschung wird zumindest zur Diskussion gestellt.

Dennoch ist immer noch viel von Differenzen, Widersprüchen, Ambivalenzen, Partikularitäten usw. die Rede. Der gegenwärtige Feminismus (ich weiß, dass es davon schon immer viele gibt) ist weit davon entfernt, das asymmetrische Geschlechterverhältnis als zentrales gesellschaftliches Grundprinzip auszumachen, das für das warenproduzierende Patriarchat wesentlich ist. Der offensichtlich androzentrische Charakter einer „neuen Marxlektüre“ bleibt auf diese Weise übrigens gänzlich unbehelligt. Es scheint, als sei der Feminismus in die Differenzen, das Kleinteilige und Partikulare geradezu vernarrt. Selbst die neuerlichen Analysen zur Intersektionalität tummeln sich reduktionistisch auf einer soziologisch-deskriptiven Meso-Ebene der gesellschaftlichen Strukturbestimmungen, bar jeder Reflexion eines gesellschaftlichen Basisprinzips.

Meine These vor dem Hintergrund der Wert-Abspaltungstheorie ist es somit, dass angesichts der noch immer gegebenen dekonstruktivistischen Dominanz nicht nur ein „Artikulationsverbot“ (Tove Soiland) der Geschlechter-(Miss)Verhältnisse besteht, sondern ebenso ein Abstraktionsverbot, das es unmöglich macht, das hierarchische Geschlechterverhältnis als GRUNDLEGENDE PHILOSOPHISCHE GRÖSSE zu behandeln und dann vor diesem Hintergrund sozialökonomische Disparitäten, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus etc. zu skandalieren und den Differenzen, dem Partikularen usw. statt zu geben.“ (Text: http://www.exit-online.org/link.php?tabelle=termine&posnr=185 | Quelle & MP3: https://audioarchiv.wordpress.com/2010/12/19/scholz-abstraktionstabu-im-feminismus/ | Veranstalter: http://kongressgeschlechterkritikhannover.blogsport.de/)

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