Feminismus

Hat die Dialektik der Aufklärung ein Geschlecht? Ein Vortrag von Elmar Flatschart


„Die Dialektik der Aufklärung ist eines der bekanntesten Werke der Kritischen Theorie. In ihr entfaltet sich – auf oftmals kryptische Weise – das geschichtsphilosophische Fundament einer radikal negativen Bezugnahme auf die moderne Vergesellschaftung.

Wiewohl die Bedeutung, welche jene als „Fragmente“ bezeichneter Sammlung von Essays in gewissen Rezeptionskreisen oftmals zuerkannt wird, überzogen erscheint, sind in der Dialektik der Aufklärung doch zwei Grundproblematiken kritischer Theorie der Moderne präfiguriert: einerseits die Reflexion der Janusköpfigkeit aufgeklärter Rationalität und der hieraus folgenden ideologiekritischen Desiderate andererseits die – mehr implizite als explizite – Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Naturverhältnis der Moderne, welches durch den scheinbar ubiquitären Siegeszug der kapitalistischen Identitätslogik geprägt ist.

Beide Motive, die Rationalitätskritik und die Kritik des Naturverhältnisses bzw. des ihr innewohnenden Topos Natur Naturalisierung, sind nun seit jeher auch Kernaspekte feministischer Erkenntnis- und Sozialkritik. Es verwundert also, dass die Dialektik der Aufklärung heute eher selten Eingang in maßgebliche geschlechterkritische Analysen findet bzw. kaum weiterführende Auseinandersetzungen auf sie aufbauen.

Im Input werden einige der wenigen elaborierteren Bezugnahmen auf das Werk Horkheimers und Adornos durch Theoretikerinnen der älteren Frauen- und Geschlechterforschung kurz in ihren zentralen Motiven vorgestellt. Dabei wird es neben produktiven Anschlüssen in der Subjektkritik, der Kritik der (männlichen) Rationalität und in der durch eine eigentümliche „zweite Natur“ geprägten Kritik des modernen Naturbezugs v.a. auch darum gehen, wie Horkheimer und Adorno sich selbst androzentrischer Auslassungen und Fehldeutungen schuldig gemacht haben, wie also explizite und implizite Verweise auf das Geschlechterverhältnis verklärt und/oder falsch gedeutet wurden. Diese Kritik an der Frankfurter Schule, die oft noch von den „eigenen Schülerinnen“ vorgebracht wurde, soll in Folge gemeinsam auf ihre Gültigkeit überprüft werden.

Zu fragen wäre einerseits, ob die „dekonstruktive“, ideologiekritisch-feministische Bezugnahme auf die klassische Vorlage heute noch taugt bzw. was aus ihr für aktuelle Ideologiekritik gelernt werden kann. Im Anschluss daran ist aber v.a. auch zu überlegen wie in „rekonstruktiver“ Hinsicht ein gesellschaftstheoretischer Ansatz aus sehen könnte, der die Erkenntnisse der feministischen Kritik an der Frankfurter Schule ernst nimmt und sie zugleich in ein breiteres Programm integriert, welches basale Konstitutionsmechanismen der modern-patriarchalen Vergesellschaftung von Grund auf aus einer sowohl kritisch-dialektischen als auch geschlechterkritischen Perspektive betrachtet.“  (Text & MP3: https://soundcloud.com/polbil_ffm/gguni-flatschert-dialektik-der | Quelle: http://ivi.copyriot.com/16-gegenuni-theorie%E2%80%93praxis%E2%80%93party)

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