Energie

Unglaublich: Frankreich schüttet jedes Jahr 33 Millionen 100-Liter-Fässer radioaktives Abwasser ins Meer


In der Wiederaufbereitungsanlage La Hague zerlegen die Ingenieure des weltgrößten Atomkonzerns Areva verbrauchte Plutonium- und Uran-Brennstäbe in Bestandteile, die man wieder verwerten kann, und in Restmüll. Der wird sachgemäß gelagert, beteuert Unternehmenssprecher Jacques-Emmanuel Saulnier: „Die Kriterien sind sehr streng, und wir achten peinlich genau darauf, dass sie eingehalten werden, damit das Restrisiko minimal bleibt.“

Doch Yannick Rousselet, der Atombeauftragte von Greenpeace Frankreich, traut Areva nicht. Im Herbst 2009 ließ er sich vom Fernsehsender ARTE bei einem Ortstermin an der Küste von La Hague begleiten und zeigte der erstaunten Öffentlichkeit, was da im äußersten Norden Frankreichs wirklich passiert: „Genau hinter mir befindet sich die Anlage der Cogema-Gruppe, die zum Betreiber Areva gehört. Dieses Rohr hier führt ins Meer. Es ist viereinhalb Kilometer lang. Über dieses Rohr leitet Cogema jedes Jahr so viel radioaktives Abwasser ins Meer, wie in 33 Millionen 100-Liter-Fässer passt.“

Der Atomkonzern selbst spricht zwar nur von anderthalb Millionen Fässern pro Jahr, doch auch das reicht aus, dass Kobalt 60 und Cäsium 137 von Algen und Krebsen aufgenommen werden und in die Nahrungskette gelangen.

Und damit nicht genug. Mehr als zehn Prozent des radioaktiven Mülls, der in La Hague übrig bleibt, schickt Frankreich nach Sibirien. Eigentlich ist das nicht erlaubt, jedes Land muss seinen Atommüll selbst lagern. Doch Areva nutzt ein juristisches „Schlupfloch“.

Die Betreiber von La Hague bezeichnen die verbrauchten Brennstäbe als wieder verwertbares Material“. Und das darf verschickt werden.

Doch der Greenpeace-Experte bezweifelt, dass die radioaktive Fracht, die nach Sibirien geht, wirklich noch zu gebrauchen ist: „Es ist ungefähr so, als wenn sie in Frankreich ein Kilogramm Orangen ausgepresst hätten. Sie schicken die radioaktiven Schalen nach Russland. Die Russen wissen im Moment zwar auch noch nichts damit anzufangen, aber sie sagen sich: Ach, eines Tages wird es den Russen gelingen, aus den Schalen ein Glas Orangensaft zu gewinnen.“

Tatsächlich können die Experten in Sibirien momentan nur zehn Prozent des französischen Urans aufbereiten. Der Löwenanteil des Materials, das die Franzosen nach Russland schicken, bleibt in Sibirien. Wie russische Oppositionspolitiker berichten, lagert es dort völlig unsachgemäß auf einem Parkplatz, in dessen Nähe Menschen leben. (Text: Tagesschau / Quelle: Arte)

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