Filmhinweise

Water Makes Money


Die Wasserversorgung ist weltweit noch zu mehr als 80% in öffentlicher Hand. Doch überall, wo finanziell klamme Kommunen nach Entlastung suchen, klopfen die weltgrößten Wasserkonzerne Veolia und Suez an die Tür. Innerhalb der letzten 10 Jahre hat allein Veolia es geschafft, nach eigenen Angaben in 450 deutschen Städten die Wasserversorgung zu übernehmen oder an ihr beteiligt zu werden. Mittlerweile ist der französische Konzern incl. seiner Beteiligungen im Trink- und Abwasserbereich etwa gleichauf mit Gelsenwasser der größte Versorger in Deutschland.

Ähnliche Expansionserfolge sind in Polen, den Baltischen Republiken, Lettland, Estland, Litauen, der Tschechische Republik, der Slowakei, Rumänien, Italien, Spanien, den USA und nun auch in China zu verzeichnen, wo Veolia laufend die Unterschrift neuer Verträge verkündet. Wenn in Kalifornien Wasserknappheit droht, empfängt Schwarzenegger Veolias Vorstandsvorsitzender Henri Proglio. Derselbe ist auch für Chinas Präsident die erste Adresse, wenn das aufstrebende Land ein 100 Mrd.$ Programm zur Erneuerung der Abwasserversorgung auflegt. Bereits in mindestens 69 Ländern auf allen fünf Kontinenten sind Veolia und Suez präsent – ist das der unaufhaltsame Aufstieg zweier Wassergiganten zur weltweiten Hegemonialmacht einer privatisierten Wasserversorgung?

Ausgerechnet in Paris, dem Sitz der Konzernzentralen, sieht man das anders. Paris und mehr als hundert andere französische Gebietskörperschaften haben beschlossen, die Kontrolle über das Lebenselixier Wasser zurückzuholen. Wenn die Verträge mit Veolia auslaufen, sollen diese lebenswichtigen Dienste in öffentlicher Regie betrieben werden. Paris kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Dort laufen die Verträge mit Veolia und Suez Ende 2009 aus. Im November 2008 hat die stellvertretende Bürgermeisterin und Vorsitzende von „Eau de Paris“, Anne Le Strat, den Beschluss verkündet, die Stadt werde mit dem 1.1.2010 die Wasserversorgung komplett in öffentliche Hand zurückführen. In Fachzeitschriften wird die zierliche Grünen-Politikerin bereits mit Maggie Thatcher verglichen. Während die eiserne Lady der Ära des Neoliberalismus zum Durchbruch verhalf, setze Anne Le Strat in einer Welt der Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen das Fanal für die Rückkehr zum kommunalen Dienst.Woher kommt es, dass sich Kommunen ausgerechnet im Heimatland des Konzerns mehr und mehr von Veolia&Co abwenden?

Die Basis der weltweiten Expansion Veolias ist das sog. „französische Modell der Wasserwirtschaft“. Danach beziehen 8 von 10 Franzosen ihr Wasser von einem privaten Betreiber, in städtischen Ballungsgebieten sind es sogar neun von zehn. Drei Unternehmen teilen sich diesen Markt: Veolia an der Spitze, daneben und oft mit Veolia in Gemeinschaftsunternehmen verbunden Suez und letztlich die deutlich kleinere Saur. Gemeinsam bilden die drei ein strukturelles und undurchsichtiges Monopol. Seit den 80er Jahren haben sie es auch auf Medien, insbesondere auf die französische TV-Landschaft ausgedehnt: Saur ist an TF 1, Veolia an Canal Plus und Suez an M6 beteiligt.

Die vielfältigen Mißbrauchmöglichkeiten dieser dominanten Positionen werden dadurch verstärkt, dass Veolia in vielen Städten nicht nur das Wasser, sondern praktisch alle Bereiche der öffentlichen Grundversorgung beherrscht. Strom, Gas, Müllentsorgung, Fernheizung, Stadtreinigung, Nahverkehr, Kantinen, Gesundheitsfürsorge – Veolia hat das vollständige Dienstleistungsprogramm von Stadtwerken für Siedlungen aller Größen im Programm. Viele Städte nicht nur in Frankreich, auch in England, Deutschland, ja in der ganzen Welt greifen gerne auf dieses Angebot zurück, vor allem auch, weil der Konzern über unübertroffenes Know-how in dem Bereich verfügt, den man heute als Finanztechnik bezeichnet. Und finanztechnische Kompetenz ist in Zeiten knapper öffentlicher Kassen mindestens ebenso wichtig wie die technische Beherrschung der Wasserwirtschaft. Viele Gemeinden laufen dabei allerdings Gefahr, vom überlegenen Konzern über den Tisch gezogen zu werden. (Text & Quelle: Watermakesmoney.com)

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1 reply »

  1. Ergänzend hierzu die Info, dass der im Film genannte Kärschlamm bis heute in Ostdeutschland völlig unbehandelt auf die Felder korrupter Landwirte gekippt wird.
    Bleibt nur noch die Frage der Fragen: Wem gehört Veolia TATSÄCHLICH ???

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