Bildung

Lernen bis zum Umfallen: Großer Druck auf kleine Menschen


Fabian ist 11 Jahre alt und geht gerne aufs Gymnasium, obwohl er kein sehr guter Schüler ist. Seit kurzem steckt er sich im Unterricht die Finger in die Ohren, er schaltet ab. Seine Eltern gehen mit ihm zum Psychologen und erfahren: Fabian ist vollkommen in Ordnung, seine „Auszeiten“ eigentlich eine richtige Reaktion auf Überforderung. Fabians Schulzeit auf dem Gymnasium ist per Gesetz von neun auf acht Jahre verkürzt worden. Er hat 32 Wochenstunden zu absolvieren, zusätzlich sechs Lernbetreuungsstunden, eine Stunde Lerntherapie, plus Hausaufgaben, lernen für Klassenarbeiten kommt oben drauf. Fabian kommt auf 45 Wochenstunden.

„Ich kann jeden verstehen, der das Abi nicht schafft“, sagt auch Lina und klappt abends um 20 Uhr das Englischbuch zu. Sie ist eine durchschnittlich gute Schülerin. Doch Lina fühlt sich immer müde und ist heilfroh, wenn der Tag endlich vorbei ist und sie schlafen kann. Vielleicht sei sie langsamer als andere, sie müsse auf jeden Fall sehr viel lernen, um es zu schaffen. Zeit für Freundinnen hat Lina kaum, oft noch nicht einmal am Wochenende.

Keine Zeit für Freizeit

Svenja, Fabians und Linas Mitschülerin, ist ungewöhnlich ehrgeizig und lernt freiwillig, weil sie gute Noten will. Doch auch sie empfindet den Druck in der Schule als sehr hoch und ihre Arbeit als zwingend notwendig. „Ich will später mal einen Job finden“, sagt die Elfjährige ganz entschieden. Statt eines Hobbys hat sie einen Entspannungskurs begonnen. Der soll ihr helfen, den Schuldruck besser zu verkraften und ruhiger zu werden. Denn in letzter Zeit hatte sie oft über Bauchschmerzen geklagt. Der Kinderarzt diagnostiziert psychosomatische Beschwerden. Sie sei kein Einzelfall.

Lina, Fabian und Svenja besuchen die sechste Klasse des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Köln. Eltern und Schule versuchen, den Kindern den Druck zu nehmen. Doch die SchülerInnen müssen viel leisten, denn sie sollen jetzt in 12 Jahren das lernen, wofür die Schüler vorher 13 Jahre lang Zeit hatten.

Wenn Fabian schon morgens um 6 Uhr aufsteht, um noch vor der Schule die restlichen Hausaufgaben zu machen, weiß sein Vater nicht, ob er sich über das Pflichtbewusstsein seines Sohnes freuen soll. Oder sich sorgen muss um eine Gesellschaft, in der Kinder eigentlich alles haben – bloß keine Kindheit mehr. (Text: WDR)

1 reply »

  1. Das kann ich nicht verstehen. Offenbar sind die Kinder nicht geeignet für’s Abitur. Meine 11-jährige Tochter macht auch ihr Abitur in acht Jahren. Ohne in jeder freien Minute zu lernen, das tut sie in der Schule oder bei den Hausaufgaben. Für Turnverein und Spielen ist viel Zeit. Zudem ist JEDES Wochenende frei. Wer lernen muss, bis er umfeld, gehört nicht auf’s Gymnasium.

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