Armut

Deutschland: 11 Millionen Menschen leben an der Armutsgrenze


Freitagmorgen, kurz vor zehn. Vor einem maroden Flachbau am Stadtrand von Stralsund wartet eine Menschengruppe auf Einlass. Es regnet in Strömen. Männer, Frauen und Kinder stehen Schlange für eine Tüte Lebensmittel. Seit elf Jahren verteilt die Stralsunder Tafel Obst, Gemüse, Brot und andere Waren, die kurz vor dem Verfallsdatum stehen, an Bedürftige.

Wer keine Arbeit hat, darf sich einmal in der Woche anstellen. Früher kamen viele Obdachlose. „Heute kann es jeden treffen, vor allem Familien und Alleinerziehende“, erzählt Waltraut Marzahn, die Leiterin der Einrichtung des Roten Kreuzes. „Bei uns steht die neue Armut täglich vor der Tür.“ Elf Millionen Menschen leben in Deutschland am Rande des Existenzminimums.

Doch viele schämen sich dafür, dass sie auf Almosen angewiesen sind. Rainer Köhn hat Jahre gebraucht, bevor er zur Tafel ging. „Vielleicht bekomme ich ja doch noch einmal eine ABM-Stelle“, meint der arbeitslose Stahlbauer und Vater von drei Kindern. Optimistisch klingt er jedoch nicht. Die Hoffnung hat es schwer in Mecklenburg-Vorpommern. In keinem anderen Bundesland gibt es so viele Arbeitslose. Fast jeder Fünfte ist hier im Nordosten der Republik ohne Job.

Hauke Wendler hat mit einem Kamerateam des NDR zwei Wochen lang bei der Stralsunder Tafel gedreht. Er begleitete ehrenamtliche Mitarbeiter bei ihrer täglichen Fahrt zu Supermärkten, Gemüsehändlern und Bäckereien und lernte bei der Tafel Menschen kennen, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chancen mehr haben, die einmal in der Woche Schlange stehen für eine Tüte mit alten Lebensmitteln. (Text: ARD)

3 replies »

  1. es ist wohlfeil und tränendrüsendrücken, wie seit einiger zeit ja üblich bei der ard, solch einen film über die tafel in mcpomm zu drehen. aber es geht am kern der thematik total vorbei, sorgt lediglich für gruseleffekte bei denen, die noch nicht so weit an der armutsgrenze sind. mehr nicht. reißerische aufmachung. billig. und unproduktiv. das ist das neue öffentlich-rechtliche fernsehen, das sich von den privaten inspirieen läßt, weil sie selbst ideenlos sind.
    ich bin selbst aus mcpomm, lebe aber nicht mehr da, kenne aber meine pappenheimer noch ganz gut. abgesehen davon, daß die armut in mcpomm tatsächlich schon aus objektiven gründen sehr hoch ist. war die industrie und die wrtschaft hier schon historisch gesehen nicht besonders stark verankert, so ist der rest seit der wende auch noch mehr oder weniger platt gemacht worden. wenig ist übrig geblieben, nur sehr wenig überhaupt neu angesiedelt worden. neue konzepte wurden entweder nicht entwickelt oder sie basieren auf eine wirtschaftsauffasung, die auf wachstum baut und veraltet ist, wie es vor allem in mcpomm erst recht nicht mehr greift. neu ideen und visionen, die wirklich zukunftsfähig sind, fehlen in mcpomm.
    die jugend unterhalb der 40 ist abgewandert und wandert weiter ab. übrig bleibt, wer immobil, krank oder sonst nicht (mehr) brauchbar ist.
    die verantwortlichen in mcpomm (diejenigen zumindest, die ich kennen gelernt habe) sind nicht offen für neue ideen, sie sind auch eher an ihren posten interessiert und dem daraus rsultierenden vermeintlichen prestige als an tatsächlichen geschehnissen, die mcpomm weiter bringen könnten. diese suchen sie so gut wie möglich zu verhindern, weil sie lediglich um ihre eigenen pfründe fürchten.
    und der rest der bevölkerung, der m.o.w. veramt ist, der lebt nahezu genauso weiter, wie es vor der wende gewesen ist, in genau den gleichen strukturen wie zu ddr-zeiten, mit einstimmigen wahlen von kleingärtenvorständen, die dann wie eh und je vorsintflutliche anweisungen an ihre mitglieder geben, mit kontrollen und strafen etc.pp. wer gerne wissen möchte, wie es zu ddr-zeiten gewesen ist, der sollte tasächlich nach mcpomm gehen und dort eine weile verbringen. er bekommt genau das lebensgefühl vermittelt, was es damals auch gab. (nun ja, es ist ja auch die zu ddr-zeiten aktive bevölkerung dort übrig geblieben, die heute mehrheitlich rentern oder arbeitslos sind) und was mich ganz besonders stört in mcpomm, das ist diese ewige rumjammerei über geschehenes unrecht, immer abschließend mit so sprüchen wie: wir können ja doch nichts machen, wir sind ja nur kleine lichter. udn die politiker sind sowieso alle korrupt, das war ja schon zu ddr-zeiten so. und ähnlichem.
    nein, man hat dort in mcpomm eben noch nicht begriffen, daß man selbst etwas tun muß, weil sonst nichts passieren wird, daß man die zukunft selbst in der hand hat und nicht auf befehl von genossen erich honecker warten muß, bis man diesen dann ausführen kann.
    auch DAS ist ursache der misre, zumindest in mcpomm. wie gesagt, abgesehen von den objektiv tatsächlich vorhandenen miserablen wirtschftlichen bedingungen seit der wende.

    • Die ARD ist nunmal kein antikapitalistisches Medium. Mehr als schlichte Bestandsaufnahmen kann man in der Regel nicht erwarten. Reflexion und Aktion liegt immer beim Zuschauer und den Betroffenen. Die Trägheit und Bewusstlosigkeit ist ein globales gesamtgesellschaftliches Phänomen welches sich nicht auf einzelne Regionen oder Gruppen reduzieren lässt.

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