Energie

Der grosse Bluff – Die falschen Versprechen der Atompolitik


Atomkraft – Ja, bitte! Die Bundesregierung will die Laufzeiten von Atomkraftwerken verlängern, den Ausstieg aus der Kernenergie rückgängig machen. Nur so könne eine günstige Stromversorgung garantiert und die Klimaschutzziele erreicht werden. 2010 ist das Jahr, in dem sich der Kampf um den Weg in die Energiezukunft entscheidet. Die Dokumentation von Steffen Judzikowski und Christian Rohde zeigt Stationen der Debatte, beantwortet Fragen zu den zentralen gesellschaftlichen Konflikten und präsentiert dazu Argumente und Belege. (Quelle: Frontal 21 / ZDF)

Bundesumweltminister Norbert Röttgen sagt im Frontal21-Interview: „Ich glaube, dass wir eine überschaubare Zahl an zusätzlichen Jahren Kernenergie brauchen.“ Zwar sei die Atomkraft keine Zukunftstechnik, doch als Brücke zum Umbau der Energieversorgung auf regenerative Energien unerlässlich. Eine Verlängerung der Laufzeiten „ist ein fatales Signal„, entgegnet Professor Olav Hohmeyer, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen. Hohmeyer stellt in dem Film dem Atomkurs der Koalition ein vernichtendes Urteil aus: „Die Regierung schickt sich an, die Weichen genau in die falsche Richtung zu stellen.“ Zusammen mit Professor Hohmeyer untersuchen die Autoren die Versprechungen der Atompolitiker und fragen: Sorgt Atomkraft für günstige Energiepreise? Sind alte Reaktoren wirklich sicher? Ist die Energiewende mit Atomkraft zu meistern und ist Gorleben ein geeignetes Endlager?

Für RWE sind die Antworten darauf einfach: Die Kernkraftwerke des Energiekonzerns seien sicher und klimafreundlich. Außerdem verspricht im Film RWE -Sprecher Volker Heck: „Kernenergie sorgt dafür, dass die Preise stabil bleiben.“ Das Versprechen auf Sinkende Strompreise ist laut Felix Matthes vom Öko-Institut der „größte Mythos in der ganzen Debatte“ um Laufzeitverlängerungen. Sie seien einzig ein Garant dafür, dass Atomkonzerne wie RWE „weiterhin Milliardengewinne scheffeln können.

Dass gerade auch alte Reaktoren wie Biblis A oder Krümmel länger laufen sollen, macht Wolfgang Renneberg Sorgen. Renneberg war bis Ende 2009 im Bund verantwortlich für Reaktorsicherheit und sagt: „Kein einziges deutsches Kernkraftwerk wäre heute genehmigungsfähig.“ Es fehle zum Beispiel ein Schutz gegen Terrorangriffe. Öffentlich mag über solche Gefahren kaum jemand reden, doch geheime Unterlagen, die der Film präsentiert, belegen: Die Verantwortlichen sind alarmiert.

Auch der Bundesumweltminister bestätigt im Interview: „Ja, wir gehen Risiken ein. Wir haben uns zu früheren Zeiten in den 70er Jahren in Deutschland so entschieden und darum sollten wir uns heute auch aus diesem Grund dafür entscheiden„, so Röttgen. „Wenn es eine andere, eine bessere, auch unter Sicherheitsgesichtspunkten, bessere Technologie gibt, dann sollten wir eben alles daran setzten, so schnell wie möglich diese Technologie zu erreichen.

Eine weitere Hürde für die Regierung ist die Frage: Wohin mit dem strahlenden Müll? Die Belastung künftiger Generationen mit Radioaktivität ist für den CSU-Abgeordneten Josef Göppel das größte Problem. Er will den Atomkurs seiner Parteifreunde daher nicht mittragen. Auch Minister Röttgen weiß: Wenn er die Pläne der Koalition durchsetzen will, muss er eine Lösung finden. Der Umweltminister erklärt im Interview, warum er einzig auf Gorleben bei der Endlagersuche setzt, obwohl die Eignung des Salzstocks hoch umstritten ist. Die Frontal21-Dokumentation präsentiert historische Akten und Zeitzeugen. Sie zeigen, dass die Standortauswahl in den 70er Jahren allein politischen Motiven folgte. Exklusiv bestätigt der damals zuständige Geologe, der 83-jährige Professor Gerd Lüttig: „Ich habe Gorleben nie als geeignet vorgeschlagen.

Auch aus der Energiebranche kommt Kritik an der Atompolitik der Regierung. Stadtwerke protestieren, sie hatten auf die Energiewende gesetzt. Die junge Branche der regenerativen Energien sieht sich in Gefahr, wenn sich Atomkonzerne und Regierung durchsetzen: nvestitionen, technologischer Vorsprung und Arbeitsplätze stehen auf der Kippe. Schon heute würden Windräder abgestellt, Windstrom weggeworfen, weil Atomstrom die Netze verstopfe. Dabei seien die Erneuerbaren in der Lage, Schritt für Schritt die Versorgung zu übernehmen, rechnet Professor Hohmeyer vor. „Wir stehen im Moment vor einer ganz grundlegenden Entscheidung über die Zukunft unseres Stromversorgungssystems. Wenn wir wirklich dieses Signal geben, dass wir die Laufzeit für Kernkraftwerke verlängern, dann geben wir gleichzeitig das Signal, dass wir keine nachhaltige Stromversorgung auf der Basis von regenerativen Energiequellen wollen. Hohmeyer ist sich sicher: „Die Atomkraft steht der dringend benötigten Energiewende im Weg.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s