Wirtschaft

Die Probleme im Niedriglohnsektor


Vor Jahren war es die Regel, dass diejenigen, die einen Job hatten, von diesem auch leben konnten – oft gut leben konnten. Heute sind es Millionen, die sich genau das wünschen.

Der politisch gewollte Niedriglohn, der Dauerarbeitslose wieder in Beschäftigung bringen sollte, hat dazu geführt, dass auf der einen Seite immer mehr Beschäftigte zu Geringverdienern geworden sind, die trotz Arbeit auf „soziale Transferleistungen“ angewiesen sind. Auf der anderen Seite klettern die Gehälter von Top-Managern in astronomische Höhen.

Arm trotz Arbeit – in Frankreich betrifft das jeden Zehnten, in Deutschland gar jeden Fünften. Der Aufbau eines Niedriglohnsektors war politisch erwünscht, galt er doch als Rezept gegen die grassierende Dauerarbeitslosigkeit. Arbeitsmarktreformen setzten auf mehr Jobs, wenn auch zu niedrigen Löhnen. Bei anhaltender Konjunktur sollte schlecht bezahlte Arbeit zum Sprungbrett in bessere Jobs werden. Doch dass das so nicht funktioniert, wird immer deutlicher sichtbar.

In Deutschland ist die Zahl der Geringverdiener zwischen 1995 und 2006 um fast die Hälfte gestiegen – auf 22 Prozent der abhängig Beschäftigten. Das ist Europa-Rekord. Und nur jeder Achte schafft es, der Niedriglohnfalle zu entrinnen. Selbst internationale Organisationen wie die OECD schlagen Alarm, wenn nach neuesten Studien bereits über zwei Millionen Deutsche mit Hungerlöhnen von weniger als fünf Euro pro Stunde abgespeist werden.

SPD und Linkspartei fordern längst einen branchenübergreifenden gesetzlichen Mindestlohn, CDU und CSU sperren sich. Immer heftiger wird in der Öffentlichkeit über die bröckelnde soziale Stabilität und den Zustand der Gesellschaft gestritten. Während Millionen den Gürtel immer enger schnallen müssen, empfinden viele, dass in den Konzernführungsetagen Maßlosigkeit Einzug gehalten hat. So sind Top-Manager zu Reizfiguren geworden.

In Frankreich hat ein gesetzlicher Mindestlohn den Absturz der Löhne ins Bodenlose eingeschränkt. Doch in der Wirtschaft ist er umstritten. Viele Unternehmer setzen auf Teilzeitarbeit. Das betrifft schon ein Drittel der Beschäftigten. Im privaten Dienstleistungsbereich wird der Mindestlohn allerdings mit Schwarzarbeit ausgehebelt.

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