Bildung

Studenten tun für Geld alles


Der Job neben dem Studium, das ist für eine zunehmende Zahl von Studenten heute Normalität. Das Geld, das sie von den Eltern oder vom Staat bekommen, reicht nicht zum Leben und so müssen viele dazuverdienen nach dem Motto: Für Geld tue ich alles. Nicht selten ist das eine permanente Gratwanderung: Man will nicht gegen die eigenen Wertvorstellungen arbeiten, muss den Spagat zwischen den zeitlichen und mentalen Anforderungen in Studium und Job bewältigen. Und viele sehen mit Sorge der Einführung von Studiengebühren und der Straffung der Studiengänge entgegen.

37 Grad zeigt am Beispiel von Sebastian, Stefanie und Max eine Seite des Studentenlebens, die immer extremer und anstrengender wird und doch für viele längst Alltag ist. Der Film begleitet die drei Studenten und zeigt, wie sie sich durchschlagen, wie weit sie für Geld gehen, aber auch, was tabu ist. Und natürlich auch, wie sie unter diesen Umständen ihr Studium durchziehen wollen.


Der größte Horror war für Sebastian Müller, 28 Jahre alt und Philosophiestudent, ein Job bei einer großen Supermarktkette. Da waren nicht nur die Bedingungen unmöglich, er wurde auch noch um einen Teil seines Lohns betrogen. Jetzt arbeitet er für eine kleine Spezialfirma auf Berliner Baustellen. Das geht zwar physisch an die Grenze der Belastbarkeit, ist aber wenigstens fair. Harte Arbeit bei Wind und Wetter, das ist Sebastian zum Geldverdienen immer noch lieber als einer dieser – in seinen Augen unsäglichen – Promotion-Jobs, bei denen man den Leuten irgendetwas aufschwatzen muss. Sebastian wird von seinen Eltern unterstützt, doch er hat fünf Geschwister, und so fällt das Geld natürlich knapp aus.

Stefanie, eine 26jährige Biologiestudentin, heißt nicht wirklich Stefanie, möchte aber, weil sie in einer Bar als Animierdame arbeitet, inkognito bleiben. Stefanie sucht händeringend nach einem anderen Job, der sich mit ihrem Studium vereinbaren lässt. Das Animieren, da macht sie sich nichts vor, überschreitet ihre selbst gesteckte Grenze, denn eigentlich will sie keine Sexarbeit machen. Stefanie kämpft am Limit: Ihr Job belastet sie, ihr Studium fordert viel Kraft und Zeit, sie hat sich mit ihren Eltern überworfen und hat Probleme mit ihrer Bafög-Bewilligung.

Max Bayer, ein 26jähriger Politikstudent hat gleich drei Jobs und arbeitet ca. 20 Stunden die Woche. Dass das Studium nicht darunter leidet – alles eine Frage der Organisation, behauptet er und fährt Promotion für den „Bund der Steuerzahler“, passt auf Kinder auf und ist von November bis März in ständiger Bereitschaft für den Winterstreudienst. Max muss nicht arbeiten, um seine Miete zu bezahlen, dafür kommen seine Eltern auf. Er will aber auch als Student ein Leben, das nicht nur aus dem Allernotwendigsten besteht, er will zum Beispiel auch mal eine Reise machen können. Dennoch glaubt er nicht, das sein Studium oder gar seine berufliche Zukunft unter der Jobberei leiden.

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