Armut

Millionen Deutsche leben in Armut


Ein paar Fakten zur Situation in Deutschland: 11 Millionen Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. 1,35 Millionen Menschen können trotz Arbeit nicht von ihrem Lohn leben. 1 Millionen Menschen bekommen täglich ihr Essen bei der Tafel. 40% aller frischen Lebensmittel werden weggeworfen.

„Wohlstand für alle?“ Inzwischen ist jeder vierte Bundesbürger von Armut betroffen, im größten Bundesland – Nordrhein-Westfalen – verdienen acht Prozent der Menschen trotz fester Arbeit so wenig, dass sie davon nicht leben können. Ist Deutschland auf dem Weg zum „Almosen- und Suppenküchenstaat“?

Allen voran helfen auf dem neuen „Wohlfahrtsmarkt“ die großen Kirchen. „Der Staat zieht sich mehr und mehr zurück, was ich bedaure“, betont der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch. Und in der Tat: Kirchliche Lebensmitteltafeln boomen, weil die staatlichen Hilfen zum Leben nicht ausreichen. Mit ihrem Engagement erschaffen sich die Kirchen ein neues Betätigungsfeld: Während die Kirchenbänke weiter leer bleiben, drängen sich die Menschen in kirchliche Kleiderkammern und Lebensmittelausgaben.

Der Kölner Pfarrer Franz Meurer will damit gegen die Armut kämpfen. Aber der Soziologe Stefan Selke hält dagegen. Mit dem neuen „Wohlfahrtsmarkt zementieren“ die Kirchen die Armut. Er sei eine Form der „Abspeisung“, anstatt Politik und Regierung in die Pflicht zu nehmen.

Die Kirchen wehren sich gegen den Vorwurf. Schließlich bekämpfen sie Armut auch auf anderen Wegen: Der Sozialdienst katholischer Männer und Frauen in Bochum-Wattenscheid hilft durch Beratung, Langzeitarbeitslose zurück in Arbeitsverhältnisse zu führen.

Aus Teilen der neuen Regierung kommt Applaus: Ein „schlanker Sozialstaat“ könne schließlich nur funktionieren, wenn neue Wege der Fürsorge erschlossen werden: Mehr Eigeninitiative, mehr Engagement von Privatleuten und starke karitative Einrichtungen wie sie die Kirchen bieten. Lässt sich der Sozialstaat tatsächlich so retten? Vor allem aber: reicht das?

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