Radiobeiträge

Zur Aktualität Marxscher Theorie


In den vergangenen 120 Jahren wurde Marx ganz unterschiedlich gelesen und verstanden. Verschiedene linke Strömungen und Parteien vereinnahmten seine Analyse der kapitalistischen Produktionsweise als Propagandamittel und Herrschaftsinstrument.
Im Anschluss an die popularisierenden Darstellungen der Marxschen Theorie bei Friedrich Engels und Karl Kautsky entstand ein „weltanschaulicher Marxismus“, der – in unterschiedlicher Weise – auch für „2. Generation“ von Marxisten mit Lenin, Luxemburg und Trotzki maßgeblich blieb. An die Stelle des Marxschen Unternehmens einer „Kritik der politischen Ökonomie“ trat ein umfassendes philosophisches und historisches System. Nach Lenins Tod wurde dieses System zum „Marxismus-Leninismus“ ausgebaut, mit dem vor allem die zunehmend repressiver werdende Herrschaft der kommunistischen Partei in der Sowjetunion gerechtfertigt wurde.

In den 1920er Jahren bricht der ‚westliche Marxismus’ durch Schriften von Georg Lukacs und Karl Korsch mit dieser Linie und bewertet den Marxschen Ansatz als kritisch-revolutionäre Theorie gesellschaftlicher Praxis. Auch die Vertreter der „Frankfurter Schule“ (Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Herbert Marcuse u.a.) knüpfen in ihren Schriften an eine solche undogmatische Auffassung des Marxismus an und wurden damit in den 1960er Jahren zu wichtigen Stichwortgebern einer Renaissance marxistischer Debatten in Westeuropa.
In dieser Auftaktveranstaltung wird Michael Heinrich einen Überblick über die verschiedenen Bestandteile, die Entwicklung und die Rezeptionen der Marxschen Theorie geben.

Es wird nicht nur um den Unterscheid zwischen Marx und dem weltanschaulichen Marxismus gehen, sondern auch um das Verhältnis von Klassen und Klassenkampf und der Marxschen Fetischismusanalyse sowie um die Frage warum man vom jungen, mittleren und alten Marx spricht und was das alles mit dem Kapital zu tun hat.
Außerdem wollen wir fragen, was uns die Marxsche Analyse für die gegenwärtigen Verläufe von Politik, Wirtschaft und soziale Bewegung eigentlich bringt? Wie sieht die heutige Linke aus, die sich weder der klassischen Arbeiterbewegung noch dogmatischen kommunistischen Bewegungen zugehörig fühlt? Und welche Rolle spielt das Werk von Marx für die heutige Linke?

Michael Heinrich ist Politikwissenschaftler in Berlin und Redaktionsmitglied von PROKLA Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehört neben der Marx-Forschung die Geschichte ökonomischer Theoriebildung und die Untersuchung der gegenwärtigen Entwicklung des globalen Kapitalismus. Als Handreichung zum ‚Kapital’ hat er „Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung“ veröffentlicht (Schmetterling Verlag 2004), weitere Texte auf www.oekonomiekritik.de.

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Teil 1 Länge: 33:00 Minuten


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Teil 2 Länge: 25:00 Minuten

(Quelle)

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