Kinder und Jugendliche reagieren häufig mit Gewalt auf ihre Lebenssituation. Wie mit jungen Gewalttätern umzugehen ist, darüber wurde in den vergangenen Monaten immer wieder öffentlich diskutiert. Die ZDF-Dokumentation „Die Antwort heißt Gewalt“ den Ursachen der steigenden Gewaltdelikte nach. Der Film von Britta Buchholz und Barbara Dickmann sucht Erklärungen für das Verhalten junger Menschen, vor denen ihre Mitbürger geschützt werden müssen, die selbst aber auch Hilfe brauchen.
„Wenn mich einer schief anguckt, kriegt er halt auf die Fresse!“, sagt die 14-jährige Nathalie aus Berlin-Oberschöneweide und prügelt sich nicht nur mit gleichaltrigen Mädchen. Schuld sind immer die anderen. Ein Blick, eine Geste, ein Wort genügen oft und die aggressiven Jugendlichen geraten außer Kontrolle. „Wir lassen uns nichts gefallen“, so Nathalie und ihre Freundinnen. Sie schlagen brutal und hemmungslos zu, bevor sie selbst geschlagen werden.
Doch nicht nur in den sozialen Brennpunkten Berlins ist jugendliche Gewalt ein Problem: Der 17-jährige Sven aus einem Vorort von Stuttgart versucht seine Konflikte mit Fäusten zu lösen. Von seinem Mitschülern gehänselt und verspottet, sieht er nur eine Lösung: Gewalt. „Ich habe gelernt zu hassen“, sagt er und offenbart damit die tiefe Enttäuschung über sein junges Leben.
Polizei und Jugendämter geben zwar zu, dass die Jugendgewalt insgesamt leicht rückläufig ist, allerdings haben die Fälle von schwerer Körperverletzung in den letzten Jahren um mehr als 50 Prozent zugenommen. Die bisher getroffenen Gegenmaßnahmen – „Wegsperren, abschieben, abschrecken“ – blieben häufig erfolglos. Experten bestätigen, dass rund 80 Prozent der Täter selbst schon Opfer von Gewalt waren und in überforderten Familien und sozial benachteiligten Verhältnissen aufwuchsen. Als besonders problematisch wird der Anstieg von Gewalt bei jungen Mädchen gesehen.
Mit Anti-Aggressionsprogrammen versuchen Länder und Kommunen präventiv vorzugehen, doch vermissen die jugendlichen Schläger vor allem eines: eine Perspektive, die sie aus der Spirale aus Gewalt und Arbeitslosigkeit befreit. Die ZDF-Autorinnen waren mit Jugendlichen unterwegs, sprachen mit Sozialtherapeuten, Streetworkern und Jugendbeamten der Polizei – in ihrem Film stellen sie auch Lösungsmöglichkeiten vor.
Machen Videospiele gewalttätig? Macht Fernsehen dick? Fördert das Internet die geistige Entwicklung — oder schadet es ihr? Über die Auswirkungen des Bildschirm-Konsums wird seit Jahren heftig diskutiert, und je nach Kenntnisstand und (wirtschaftlichem) Interesse fallen die Antworten sehr unterschiedlich aus. Jetzt gibt es endlich ein Buch, das die wissenschaftlichen Studien rund ums Thema zusammenfasst. Manfred Spitzer, leitender ärztlicher Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm und Leiter des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen, kommt bei der Auswertung des aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstandes zu einem alarmierenden Ergebnis. Und er fordert drastische Maßnahmen. Sofort.
Denn die Auswirkungen des Bildschirm-Konsums sind dramatisch, und besonders stark sind Kinder betroffen. Anhand zahlreicher Studien aus aller Welt zeigt Spitzer die Folgen im Detail und mit erschreckenden Zahlen auf: Übergewicht, Lese- und Aufmerksamkeitsstörungen, gestörtes Sozialverhalten, steigende Gewaltbereitschaft und eine massiv gestörte geistige Entwicklung. Vieles davon haben die meisten von uns schon vermutet, aber durch dieses Buch werden nun auch die Zusammenhänge und das tatsächliche Ausmaß des Problem deutlich. Doch dabei bleibt der Autor nicht stehen: Er fordert drastische Maßnahmen und macht konkrete Vorschläge dazu — vom Verbot der an Kinder gerichteten Werbung für ungesunde Nahrungsmittel bis zu Gebührenerhöhungen für die Ermöglichung kindgerechten Fernsehens. Dabei orientiert er sich am Problem der Umweltverschmutzung, das er für vergleichbar schwerwiegend hält und bei dem ebenfalls sowohl ein Umdenken als auch radikale Maßnahmen nötig waren und sind.
Ob Eltern oder Lehrer, Ärzte oder Fernsehmacher, Software-Entwickler oder Internet-User: Wir alle nutzen heute Bildschirmmedien und machen uns immer öfter Gedanken darüber, was sie uns und vor allem unseren Kindern antun können. Spitzer macht uns das Ausmaß der Gefahren deutlich und zeigt, was wir tun können — und tun müssen, um die drohenden massiven Folgeschäden abzuwenden. Ein ebenso informatives wie unterhaltsam geschriebenes Buch — und zugleich ein flammendes Plädoyer für sofortiges Handeln, das niemanden kalt lässt. Dieses Buch wird hoffentlich noch lange nicht nur für rege Diskussionen sorgen, sondern auch konkrete Änderungen in der Politik, in der Wirtschaft und im Privatleben anstoßen.
Viele sind auf dem besten Weg in die Abhängigkeit – ohne sich darüber im Klaren zu sein. Die Lobbyisten der Alkohol-Industrie haben bisher jeden Versuch aus Brüssel verhindert, dem Bild der „Schönen Welt des Alkohols“ Aufklärung und politische Maßnahmen entgegenzusetzen.
Das Reporterteam um Georg Restle begibt sich auf Spurensuche. Warum trinken wir so viel? Zwei Millionen Deutsche sind alkoholabhängig, 10 Millionen gelten als Risikotrinker, knapp 50.000 Deutsche sterben Jahr für Jahr an den Folgen des Alkoholkonsums – auf 42 Milliarden Euro wird der volkswirtschaftliche Schaden vorsichtig geschätzt.
Warum werden die Folgen des Alkoholkonsums in unserer Gesellschaft immer noch tabuisiert? Weil wir uns den Spaß nicht verderben lassen wollen? Georg Restle trifft auf seiner Reise durchs Alkohol-Land Deutschland Abhängige, die vom Alkohol nicht mehr los kommen und Trinker, die sich für völlig ungefährdet halten.
„Alkohol ist unser Schmiermittel“, meint Hartmut Stein, Krankenpfleger auf der Suchtstation des Bürgerhospitals, „wir haben verlernt, ohne Alkohol zu feiern und zu entspannen.“ Eine seiner Patientinnen war 14 Jahre trocken, jetzt hat die Sucht sie wieder eingeholt. Warum sie trinkt, kann auch sie nur schwer erklären. „Es war beruhigend am Anfang. Und dann ist man schneller drin als man sich das vorstellen kann.“ Im Bürgerhospital werden Banker, Angestellte, Hausfrauen und Jugendliche entgiftet – Dr. Wilfried Köhler, Leiter der Sucht-Station, weiß: Es kann jeden erwischen. Bei jedem, der regelmäßig trinkt, kann es irgendwann zu einer Umprogrammierung im Gehirn kommen. Dann braucht der Körper den Alkohol, um zu überleben.
„Es war wie ein Zwang“, erzählt eine Abhängige, die das Team noch einmal besucht. „Ich konnte einfach nicht anders!“ Wenige Wochen nach ihrem Entzug ist sie wieder rückfällig geworden.
Die Drogenszene im Frankfurter Bahnhofsviertel ist seit der Invasion durch Crack härter geworden. Viele Drogenabhängige sind obdachlos und setzen sich ihre Spritzen auf offener Straße oder rauchen dort Crack. Auch Angela und Nathalie sind crackabhängig. Die Drogenhilfe Elbestraße bietet seit einiger Zeit nicht nur Heroin- sondern auch Cracksüchtigen Hilfe an. Peter Maroldt hat die beiden jungen Frauen durch die Straßen und die U-Bahn in Frankfurt begleitet. Kaufen, rauchen, verkaufen, das ist Angelas und Nathalies Welt…
Der Tod eines 16-Jährigen, der 50 Tequilas getrunken hatte und ins Koma gefallen war, sorgte unlängst für Schlagzeilen. Dabei ist Schnaps Trinken bis zum Umfallen für viele Teenager mittlerweile zur Freizeitbeschäftigung Nummer eins geworden.
Der erste Anruf an diesem Abend erreicht die Leitstelle der Feuerwehr Hannover schon kurz vor neun Uhr. Die Polizei hat ein Mädchen an der Landstraße gefunden – volltrunken. Der Rettungswagen bringt die 15-Jährige sofort in das Kinderkrankenhaus auf der Bult. Zehn Jugendliche mit Alkoholvergiftung versorgen die Rettungssanitäter in dieser Nacht. Sechs von ihnen landen in der Kinderklinik. Der Jüngste ist zwölf, der Älteste 15 Jahre alt. Ein Junge muss sogar auf die Intensivstation, er droht ins Koma zu fallen.
Während sich Ärzte und Pfleger um die schwer alkoholisierten Kinder sorgen, wird in der Innenstadt von Hannover reichlich getrunken; in einem Discozelt auf dem Jahrmarkt, in der Fußgängerzone und auf Flatrate-Partys. Dort gibt es Hochprozentiges zu Dumpingpreisen. Wer noch keine 18 ist, schickt Ältere zum Tresen. Schnaps Trinken bis zum Umfallen ist für viele Teenager mittlerweile zur Freizeitbeschäftigung Nummer eins geworden.
„Ohne Alkohol“, meint eine 15-Jährige, „kann man doch gar keinen Spaß haben“, und lässt dabei die Wodkaflasche aus dem Discounter kreisen. Eine Mädchengruppe trifft sich vor dem „Kampftrinken“ zum „Aufbrezeln“. Vortrinken brauchen sie diesmal zu Hause nicht, denn auf der Flatrate-Party heißt es am Abend „All you can drink“ für nur 9,99 Euro. Wer in die Disco will und jünger als 18 ist, braucht eine schriftliche Erlaubnis der Eltern. Das Formular für die Einverständniserklärung kann sich jeder im Internet herunterladen. „Die Unterschrift lässt sich leicht fälschen. Und wer kann das schon kontrollieren?“, sagen die Mädchen. Ute Jurkovics und Gudrun Kirfel haben in Hannover ein Wochenende lang Ärzte und Pfleger im Kinderkrankenhaus auf der Bult bei der Arbeit begleitet. Sie waren auch dort unterwegs, wo Jugendliche trinken, soviel sie können – manchmal bis der Arzt kommt.