Kapitalismus und Konsum als Religion

Wir leben die ganze Zeit in einer Religion. Der Religion des Marktes, des Geldes, des Konsums.

Die Dokumentation “ Der Kurssturz des goldenen Kalbes “ des ORF analysiert die treibende Kraft der modernen Gesellschaft seit 2 Generationen. Doch wie viele Generationen lassen sich noch so treiben? Wer sind die Antreiber? Wie frei sind wir? Wie frei möchten wir sein? Frei sein ist nicht einfach.

Bereits 1921 schrieb der deutsche Philosoph Walter Benjamin über den Kapitalismus als neue Religion: „Der Kapitalismus ist eine reine Kultreligion ohne Dogma und Transzendenz. Die Zelebrierung des Kults ist ohne Traum und Gnade.“ Angesichts der weltweiten schweren Finanzkrise ist der Glaube an die unsichtbare Hand des Marktes, die alles zum Guten wendet, wenn man sie nur walten lässt, im Kern erschüttert:

Die Heilsversprechen des Marktes sind in Frage gestellt. Mit den Aktienkursen stürzte auch das goldene Kalb ins Bodenlose. Die Sicherheit ist weg, die Sinn- und Identitätsstiftung durch das undurchschaubare Mysterium des Geldes funktioniert nicht mehr. Möglicherweise ist es noch zu früh für einen Nachruf auf die Religion des Kapitalismus. Doch ein kritischer Rückblick auf diese Religion scheint angebracht und notwendig.

Andreas Gruber untersucht in seinem dokumentarischen Essay am Beispiel der Verkündigungsmaschinerie Werbung, wie diese Religion des Kapitalismus so erfolgreich funktionierte. Der Film befasst sich aber auch –am Beispiel von All-inclusiv-Ferienclubs in Afrika – mit den Schattenseiten dieses Systems, das nur wenigen Wohlstand brachte, und stellt die Frage, wer den Preis dafür zahlt.
Schließlich geht es um die Frage, ob es Alternativen zum System des Kapitalismus geben kann. Antworten darauf versuchen der Designer Wolfgang Joop, der Schriftsteller Ernesto Cardenal, der Wirtschaftswissenschafter Stephan Schulmeister, Caritas-Direktor Michael Landau, der Kulturphilosoph Wolfgang Müller-Funk und der Theologe Jozef Niewiadomski.

2 Antworten zu „Kapitalismus und Konsum als Religion“

  1. 1990huber sagt:

    Bei der ganzen Debatte über die Finanzkrise wird viel zuviel über Rettungspakete, Eindämmung der gröbsten Risiken und bessere Bankenaufsicht für die Zukunft geredet, statt erst mal die Wurzel des Übels zu ergründen und die wirklichen Betrüger ans Licht zu zerren!
    Dies war meiner Meinung nach der Grundstein für die Überwindung der großen Depession der USA in den 1930ern. Es gibt da ein interessantes Video über die Pecora-Kommission auf http://de.youtube.com/watch?v=xm7cp6H_viE , die man sich heute zum Vorbild nehmen sollte!

  2. Schuhe sagt:

    Das ist doch gang normal, oder?

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